VERMÖGENSAUFBAU & VERMÖGENSANLAGE

Zeit für eine neue Sparkultur

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Bei Aufbau und Sicherung ihres Vermögens gehen viele den falschen Weg. Der Wirtschaftsexperte Professor Dr. Oscar A. Stolper erklärt, wie eine Anlagestrategie aussieht, die Inflation, Minuszinsen und widrigen Marktbedingungen trotzt.

Was ist eigentlich typisch deutsch? Diese Frage treibt Wissenschaftler der unterschiedlichsten Disziplinen um – auch Professor Oscar Stolper, der den Lehrstuhl für Behavioral Finance an der Philipps- Universität Marburg innehat. Seine Antwort: die Sparkultur. „Die Deutschen gelten als Sparweltmeister und machen diesem Ruf auch alle Ehre“, so Stolper. „Das Gesamt­finanz­vermögen hat hierzulande in den letzten zehn Jahren um 44 Prozent auf knapp 6.400 Milliarden Euro zugenommen.

Seit 2002 hat sich das Finanzvermögen deutscher Privathaushalte sogar fast verdoppelt – trotz Dotcomblase, Finanz- und Eurokrise und den seit Jahren herrschenden Nullzinsen.“ Auch die Corona­pandemie konnte den Spareifer der Deutschen nicht dämpfen, im Gegenteil. Legten die Bundesbürger 2019 im Durchschnitt elf Prozent ihres verfügbaren Einkommens auf die hohe Kante, waren es 2021 schon 20 Prozent. Und trotz steigender Energiepreise aufgrund der politischen Situation in Europa wird sich am allgemeinen Sparverhalten auch in 2022 vermutlich nichts ändern.


Professor Dr. Oscar A. Stolper 
Der Betriebswirt hat seit 2014 die Professur für Behavioral Finance an der Philipps-Universität Marburg inne und beschäftigt sich in seiner Forschung vorrangig mit Themen der empirischen Kapitalmarktforschung sowie der verhaltensorientierten Finanzmarkttheorie (Behavioral Finance). Sein besonderes Interesse gilt dabei dem Entscheidungsverhalten privater Haushalte in ihrer Rolle als Kapitalmarktteilnehmer.

Die Deutschen sparen sich arm

Beeindruckende Rücklagen und eine hohe Sparquote – das klingt nach guten Nachrichten für Altersvorsorge und Vermögensaufbau. Doch die deutsche Sparkultur hat eine Kehrseite: Wenn es um die Rendite geht, ist die Bundesrepublik im internationalen Vergleich das Schlusslicht. Typisch deutsch ist nämlich auch die Wahl von Sparformen, die Geld vernichten, statt es zu vermehren.

„Zinsprodukte wie das Sparbuch, das Tages- oder Festgeldkonto sind immer noch extrem beliebt. Viele Menschen parken ihr Geld sogar einfach auf dem Girokonto“, sagt Oscar Stolper. „Dabei kann der Ertrag dieser Produkte schon seit zehn Jahren nicht einmal mehr die Inflation kompensieren. Dass die Inflationsrate aktuell sehr hoch ist, verschärft das Problem und beschleunigt die Vermögensschmelze weiter. Kurz gesagt: Die Deutschen sparen sich arm.“

Das zeigt das Beispiel von Marlou Bremer: Die 50-jährige Oberärztin hat 2020 rund 250.000 Euro von ihrer Patentante geerbt. Damit möchte sie im Alter ihre Rente aufbessern. Das Geld hat sie allerdings seit inzwischen zwei Jahren auf ihrem Tagesgeldkonto geparkt und zahlt dafür ein Verwahrentgelt, im Volksmund oft als Negativzins bezeichnet, an ihre Bank.

Außerdem knabbert die Inflation an ihrem Vermögen. Selbst wenn die aktuell hohe Inflationsrate von um die acht Prozent wieder auf moderate zwei Prozent sinken sollte, wird der Wert ihres Vermögens in fünfzehn Jahren nur noch höchstens 159.000 Euro betragen – ein realer Kaufkraftverlust von 72.450 Euro!

SICHER IST AUF DEM TAGESGELDKONTO DERZEIT NUR DER WERTVERLUST

Viele parken ihr Vermögen zu lange auf vermeintlich sicheren Konten – und unterschätzen dabei den Wertverlust, den die Inflation mit sich bringt.

Alte Rezepte taugen nicht mehr

Warum gerade die Deutschen trotz dieser erschreckenden Zahlen an Zinsprodukten festhalten, ist nicht eindeutig erklärbar. Oft werden die Hyperinflation der 1920er- Jahre und negative Erfahrungen mit dem Aktienmarkt Anfang der 2000er als Grün­de angeführt. Oscar Stolper sieht zusätz­lich eine weniger dramatische, aber umso wirkmächtigere Ursache.

„Studien zeigen, dass sich Menschen bei der Geldanlage an ihren Eltern orientieren. Die kommen aber aus einer Zeit mit ganz anderen wirt­schaftlichen Realitäten, als Zinsprodukte noch eine gute Wahl waren. So setzt sich ein Sparverhalten fort, dass nicht mehr zeitgemäß und letztendlich schädlich ist.“ Höchste Zeit also für eine neue Sparkul­tur, wie Stolper und andere Experten sie schon lange empfehlen.

Wer Vermögen aufbauen oder absichern möchte, kommt um den Kapitalmarkt heute nicht mehr herum. Das gilt auch und gerade für sicherheitsorientierte An­legerinnen und Anleger. Denn während bei Zinsprodukten nur der Kaufkraftver­lust sicher ist, bieten Aktien ein Risiko-Ertrag-Verhältnis, das anderen Vermö­gensklassen deutlich überlegen ist. So lag ihre Rendite über die letzten 20 Jahre hin­weg bei fünf Prozent – nach Abzug aller Kosten.

Dafür ist auch der Zinseszinsef­fekt verantwortlich: Wer den Ertrag seiner Aktien gleich wieder investiert, profitiert von diesem Vermögensturbo. Diesen Ef­fekt nutzen deutsche Sparer bisher kaum. „Sie zweigen ihre Sparbeträge eher vom laufenden Einkommen ab und verzichten dafür auf Konsum“, sagt Oscar Stolper. „Wer stattdessen sein Kapital für sich arbeiten lässt, hat jetzt und in Zukunft mehr finanziellen Freiraum.“

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Risiken lassen sich minimieren

Bei allen Vorteilen: Der Vermögensaufbau mit Aktien kann auch schiefgehen. Jeder kennt aus den Medien oder sogar dem Bekanntenkreis Geschichten, bei denen sich Investitionen am Kapitalmarkt in Luft aufgelöst haben. „Das liegt aber nicht am Instrument Aktie, sondern daran, wie man damit umgeht“, erklärt Oscar Stolper. „Wer ein paar Grundregeln beachtet, kann die Risiken eines Verlusts stark minimieren.“

  • Regel 1: Nicht auf Einzelaktien setzen, die vermeintlich schnelles Geld bringen, sondern so breit wie möglich investieren. Das geht sehr komfortabel mit Fonds, die in Unternehmen unterschiedlichster Branchen investieren – und das möglichst weltweit. Wichtig ist, dass diese Fonds thesaurierend sind, die Erträge also gleich wieder investieren, statt sie auszuschütten. Dadurch profitieren die Anleger vom Zinseszinseffekt. 

  • Regel 2: Die Haltedauer – also die Zeit, die man das Wertpapier im eigenen Portfolio behält – sollte mindestens zehn bis 15 Jahre betragen. Auf diese Weise kann man Wertschwankungen ausgleichen und den Zinseszinseffekt voll ausnutzen. So lässt sich mit der Zeit ein substanzielles Vermögen aufbauen. „Das Risiko einer Aktienanlage verringert sich mit zunehmender Haltedauer erheblich“, sagt Oscar Stolper.

Weiterhin: „Seit Beginn der Kapitalmarktaufzeichnungen gab es noch nie einen 15-Jahres-Zeitraum, in dem die Aktienentwicklung negativ war.“ Das heißt allerdings auch: Anleger müssen die Nerven behalten, wenn die Kurse zwischendurch einmal fallen. Wer in schlechten Zeiten verkauft, riskiert nämlich, dass aus einem Minus auf dem Papier echte Verluste werden. Geduld ist allerdings nur angesagt, wenn man schon am Kapitalmarkt investiert hat.

„Viele potenzielle Anleger warten auf den idealen Einstiegszeitpunkt und verlieren dadurch Geld“, warnt Oscar Stolper. „Den idealen Zeitpunkt gibt es aber nicht, und er spielt bei einer langfristigen Anlage im Schnitt auch keine Rolle. Wichtig ist, dass man loslegt und zwar möglichst schnell, denn ‚Time in the market is better than timing the market‘.“

Die beste Zeit zu handeln ist jetzt

Bleibt die Frage, wie man den Einstieg in den Kapitalmarkt ganz konkret angeht. Das Angebot an Aktienfonds, Sparplänen, fondsbasierten Rentenversicherungen und vielem mehr ist für viele kaum zu überblicken. Und je nach Sparziel, Risikobereitschaft, individueller Lebenssituation und Anlagehorizont kann die optimale Anlage ganz unterschiedlich aussehen.

Gerade für vielbeschäftigte Ärztinnen und Ärzte empfiehlt sich deshalb eine Vermögensberatung. Die Finanzexperten der Deutschen Ärzte Finanz erarbeiten mit Ihnen die gewünschte Anlagestrategie. Unten bieten wir Ihnen mehrere Möglichkeiten, mit uns in Kontakt zu treten.

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