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STUDIEREN MIT KIND

„Das richtige Bauchgefühl“

5 Min.
Sarah-Hélène Berthé. Die 28-Jährige lebt mit ihrem Mann in Lübeck. Dort studiert sie seit 2017 Medizin, ihr Mann studiert Maschinenbau. Gemeinsam haben sie einen zweijährigen Sohn.

Medizinstudium und Familien­planung – wie passt das zusammen? Die Medizin­studentin Sarah-Hélène Berthé bestand schwanger das Physikum und meistert seit zwei Jahren den Balance­akt zwischen Studium und Mutterschaft. Im Interview teilt sie ihre Er­fah­run­gen.

Frau Berthé, wie haben Sie rea­giert, als Sie heraus­ge­fun­den haben, dass Sie schwanger sind?

Wir hatten wirklich nicht damit gerechnet und waren positiv geschockt. Zwar war für mich klar, dass ich im Studium ein Kind bekommen möchte, aber eigentlich nicht vor dem Physikum. Ich habe den Test damals vorsichtshalber gemacht, weil eine Freundin gerade rausgefunden hatte, dass sie schwanger war. Vielleicht hatte ich unbewusst ein bisschen Hoffnung. Mein Mann und ich haben wenig später den Studiengangsleiter angerufen und die ersten Gra­tu­la­tionen bekommen. Hatten Sie auch mit fehlendem Verständnis oder Kritik zu kämpfen?Im privaten Umfeld gab es die klassischen Vorurteile, dass ein Studium mit Kind nicht sehr klug sei – vor allem von Leuten, die nicht wissen, wie ein Medizinstudium aufgebaut ist. Die Annahme, dass Medizinstudium und Kind nicht zusammen­passen, ist weit­ver­brei­tet. Ich konnte die wenige Kritik aber gut an mir abprallen lassen. Leute aus dem medizinischen Bereich, mit denen ich gesprochen habe, würden ein Kind während des Studiums klar empfehlen und haben unsere Entscheidung gelobt. Jetzt ist mein Kind zwei Jahre alt, die Uni läuft echt gut und meine Familie ist unglaublich stolz auf mich.

Kinder bekommen im Studium - „Mir persönlich war es wichtig, jung Mutter zu werden.“

Kinder bekommen im Studium

„Mir persönlich war es wichtig, jung Mutter zu werden.“

Sarah-Hélène Berthé

Kinder bekommen im Studium - „Mir persönlich war es wichtig, jung Mutter zu werden.“

Das Thema tangiert fast alle jungen Frauen, die Medizin studieren. Haben Sie Druck verspürt, sich mit dem Thema frühzeitig aus­ein­an­der­zu­set­zen?
 Mir persönlich war es wichtig, jung Mutter zu werden. Deshalb habe ich mich informiert und mit Ärztinnen und Ärzten gesprochen, schon bevor ich den Studien­platz an­ge­nom­men habe. In meinem Umfeld erlebe ich es ähnlich, und auch via Instagram bekomme ich diesbezüglich viele Fragen. Es ist nicht leicht, einen Studienplatz in der Medizin zu kriegen, und viele sind schon etwas älter, wenn es klappt. Mit Blick auf die Familienplanung ist dann die Frage: Karriere oder Kind?                                                  Was würden Sie diesen Studierenden mit auf den Weg geben?
Hör auf deine Intuition und auf dein Bauchgefühl. Wer sich Mutterschaft und ehrgeiziges Lernen ehrlich zutraut, sollte es versuchen. Wenn man sich dafür entscheidet, ist es aber wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen und sich mit Arbeit, Kind und Lernen nicht übermäßig zu stra­pa­zieren. Auch wenn es schwerfällt, muss man Pausen einplanen, die eigene mentale Gesundheit pflegen und sich nicht stressen – der Leistungsdruck von außen ist groß genug. Wichtig ist auch, nicht wegen des gesell­schaft­li­chen Drucks oder Zeitdrucks Dinge zu tun, die einem nicht behagen, oder auf etwas zu verzichten, was einem eigentlich wichtig ist. Sonst bereut man es rückblickend.

Unterstützung annehmen: Tipps von Sarah-Hélène Berthé

Suchen Sie Kontakt zu anderen Studierenden, die schon ein Kind haben. Bestärken und unterstützen Sie einander und nehmen Sie Hilfsangebote von Kommilitoninnen und Kom­mi­li­to­nen an.

Setzen Sie sich frühzeitig mit der Betreuung auseinander. Definieren Sie Ihre Wünsche und Ihre Möglichkeiten, entwickeln Sie Notfallpläne, falls mal alle Stricke reißen. Bei der Suche nach einem Platz sollten Sie Engagement zeigen und auch die Betreuungs­an­ge­bote Ihrer Uni nutzen. Diese gibt es vermehrt während der Semesterferien oder der Prüfungsphasen.

Nutzen Sie die Anlaufstellen der Uni, um sich frühzeitig über Angebote zu informieren. Gehen Sie proaktiv auf Ihre Profs zu: Manche meiner Professorinnen und Pro­fes­so­ren hatten noch keine Erfahrung mit schwangeren Studierenden, stellten sich aber im Gespräch als äußerst kooperativ heraus.

Familienstipendien, Kinder­zu­schlag, Studien­beitrags­befreiung – es gibt viele Möglichkeiten, die genutzt werden sollten. Erledigen Sie den Papierkram am besten noch vor der Geburt, um Stress zu vermeiden.

Meal Prepping spart viel Zeit.

Wenn Sie das Geld für Audiolerninhalte aufbringen können, lohnt es sich. So konnte ich mich mit dem Kind beschäftigen und nebenbei Lerninhalte hören, von denen jedes Mal ein bisschen mehr hängenblieb.

Momente der Entlastung sind wichtig. Im Endeffekt sorgen Pausen sogar für mehr Konzentration während des Lernens.

Würden Sie den Schwanger­schafts­zeit­punkt rück­blickend wieder so wählen? Im Grunde ja. Vor allem zu Beginn der Klinik bietet sich eine Schwanger­schaft an. Einige Studierende überlegen, kurz nach dem zweiten Staatsexamen, vor dem praktischen Jahr, mit einem ein­ge­scho­benen Freisemester ein Kind zu kriegen. Auch das erscheint mir als eine gute Option.                                                        Wurden Sie im universitären Umfeld unterstützt?Ja, die Uni hat mich gut informiert. Ich wurde an eine Koordinatorin weitergeleitet, die mir erklärt hat, dass ich wegen der potenziellen Gefahren im medizinischen Bereich gewisse Absicherungsprotokolle ausfüllen muss. Außerdem hat sie mich mit Infomaterial zu Angeboten für studierende Eltern versorgt: Es gibt zum Beispiel regelmäßige Treffen von Studierenden mit Kindern oder die Möglichkeit, sich auf dem Campus in einen Container mit Wickelplatz und Spielecke zurückzuziehen – kostenlos. Kinder bis sechs Jahre bekommen in der Mensa einen Gratis-Kinderteller. Manche Dozierende haben vor­ge­schla­gen, dass ich mein Kind mit ins Seminar oder in die Vorlesung nehme. Bei den schriftlichen Prüfungen bekam ich während meiner Schwangerschaft extra einen Platz in der Nähe der Toilette.
Und wie sah es im privaten Umfeld aus?Die Familie meines Mannes und meine Familie leben in Berlin, wir studieren in Lübeck. Die räumliche Trennung macht es ein bisschen schwierig, aber der Rückhalt ist trotzdem spürbar. Meine Mutter hat zum Beispiel angeboten, für meine Famulatur nach Lübeck zu kommen, um sich um den Kleinen zu kümmern.                                                 Was waren die größten Herausforderungen für Sie?Das Physikum schwanger zu schreiben, war schon eine Heraus­forde­rung. Aber ich habe bestanden! Ansonsten muss man viel planen und organisieren, damit alles klappt. Der erste Winter mit Kind war hart: Mal war das Kind krank, mal wir, dadurch ging viel wert­volle Lern­zeit verloren. Ich dachte am Anfang, dass das Stillen eine Herausforderung werden würde, aber so war es nicht. Ich konnte außerhalb der Seminare in den Pausen stillen und habe zu­sätz­lich mit einer lautlosen, kabellosen Milchpumpe abgepumpt, die ich – diskret im BH versteckt – unauffällig auf dem Campus benutzen konnte.

Checkliste „Studieren mit Kind“

Um Studium und Beruf mit Familie gut vereinbaren zu können, braucht es moderne Rahmenbedingungen. Die Bundesärztekammer hat eine Checkliste „Studieren mit Kind“ entwickelt. Sie soll Kliniken, BAföG-Ämter und Studierende dabei unterstützen, familienfreundliche Strukturen aufzubauen.

Welche Erfolgserlebnisse bleiben Ihnen in Erinnerung? Das bestandene Physikum. Ich hatte einen berüchtigten Prüfer und habe trotzdem ein Ergebnis bekommen, mit dem ich sehr zufrieden bin. Abgesehen davon ist jeder Schritt, der mich zur Scheinfreiheit bringt, ein Erfolgserlebnis. Und natürlich alle Entwicklungen, die das Kind macht.                                                     Was waren die größten Heraus­forderungen für Sie? Mein nächstes Ziel ist die Doktorarbeit. Nach dem Studium kann ich mir gut vorstellen, in der Pädiatrie zu arbeiten. Ich habe meine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in einer Kinder­arzt­praxis gemacht und hatte interessante Famulaturen im Kreißsaal und in der Pädiatrie. Ich kenne Ärztinnen und Ärzte aus diesen Bereichen, die für mich zu Vorbildern geworden sind. Aktuell belege ich außerdem das Wahlfach „Notfallmedizin und Not­arzt­wagen­praktikum“, das mir auch sehr gut gefällt.

Expertenrat - In allen Studiums- und Berufsphasen bestens beraten

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