Praxisgründung: Wer wagt, gewinnt

Mit dem Gedanken an eine Niederlassung hatte Kerstin Schöfferle (42), Gynäkologin aus Neuwied, schon länger gespielt. Anfang 2016 wagte sie den Schritt und machte sich selbstständig. Wir haben die Ärztin in ihrer Praxis besucht und mit ihr über ihre Erfahrungen als Gründerin gesprochen.

Interview mit Kerstin Schöfferle

Frage: Eine eigene Praxis – war das schon immer Ihr Traum?
Kerstin Schöfferle: Sagen wir mal so: Es war zumindest nichts, was mir total ferngelegen hätte. Vor neun Jahren, nach der Geburt meiner Tochter, habe ich zum ersten Mal ernsthaft über die Niederlassung nachgedacht. Ich habe meine Arbeit im Krankenhaus geliebt, aber Anwesenheitsdienste, 24-Stunden-Bereitschaft – das wollte ich mit Kind auf die Dauer nicht weitermachen. Damals stand ich auch schon kurz vor einer Praxisübernahme, die in letzter Minute gescheitert ist. Die Idee der Selbstständigkeit hat mich seitdem aber nicht mehr losgelassen.
 
Wie haben Sie Ihre heutige Praxis gefunden?
Ich habe zufällig gehört, dass ein Kollege in den Ruhestand gehen wollte, und habe ihn einfach angerufen. Die Chemie und auch die Vorstellungen, die wir beide vom Übergang der Praxis hatten, haben gleich gepasst. Auch die Lage und die gute wirtschaftliche Situation der Praxis waren sehr überzeugend. Und nicht zuletzt das kompetente und sympathische Mitarbeiterinnenteam, das ich gleich mitübernommen habe.

 
 

„Ich genieße es jetzt,
meine Patientinnen langfristig und in jeder
Lebensphase zu begleiten.“

 
 

Wie stressig war der Start?
Vor der Eröffnung und in den ersten Wochen war natürlich sehr viel zu tun. Ich habe die Praxis komplett renoviert und viel Eigenleistung hineingesteckt – auch, um mehr in erstklassige Geräte investieren zu können, von denen meine Patientinnen profitieren. Rund um die Finanzierung und die betriebswirtschaftlichen Aspekte habe ich mir professionelle Unterstützung geholt. Ganz wichtig war dabei mein Berater von der Deutschen Ärzte Finanz. Großen Respekt hatte ich anfangs vor der Organisation und der Abrechnung. Im Nachhinein hat sich das als halb so schlimm erwiesen, auch, weil mein Vorgänger schon eine gute Praxissoftware etabliert hatte.
 
Was hat sich durch die Selbstständigkeit für Sie verändert?
Die Arbeit ist nicht weniger geworden, aber ich kann sie selbst einteilen und mir das Wochenende für die Familie freihalten. Fachlich ist das Spektrum breiter. In der Klinik hatte ich hauptsächlich mit Risikogeburten zu tun, was sehr spannend war. Jetzt genieße ich es aber, meine Patientinnen langfristig und in jeder Lebensphase zu begleiten. Das ist noch einmal eine neue Erfahrung. Natürlich schaue ich auch anders auf wirtschaftliche Aspekte: Früher habe ich zum Beispiel Geräte rein fachlich beurteilt. Jetzt merke ich, dass ein bequemer Gyn-Stuhl und ein 3-D-Ultraschall, wie ich sie in meiner Praxis habe, auch gute Werbung sind (lacht).
 
Was raten Sie Kollegen, die sich niederlassen möchten?
Ganz wichtig ist, dass das private Umfeld mitzieht. Ohne die Unterstützung meines Mannes hätte ich das Projekt Niederlassung nie durchziehen können. Den Arbeitsaufwand sollte man nicht unterschätzen – und sich vor der Gründung klarmachen, wie man seine Praxis eigentlich genau positionieren will. Die Geschäftsidee ist das A und O!

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